Auf dieser Seite
Leg deine eigene Liste der Schichten neben die Abrechnung und geh Posten für Posten durch: erst die Stunden, dann jeden Zuschlag als Stunden mal Grundlohn mal Prozentsatz. Achte darauf, für welchen Monat die Zuschläge gezahlt werden, denn im Schichtdienst kommen sie oft erst mit der Abrechnung des Folgemonats oder noch einen Monat später. Was nicht stimmt, meldest du schnell und schriftlich, weil Ausschlussfristen in Arbeits- oder Tarifverträgen oft viel kürzer sind als die drei Jahre Verjährung.
Schritt für Schritt

- Schau zuerst, für welchen Monat die Abrechnung gilt. Bei Stundenlohn vergleichst du die bezahlten Stunden mit deiner Liste. Der Stundenlohn muss mindestens beim gesetzlichen Mindestlohn liegen, seit dem 1. Januar 2026 sind das 13,90 €.
- Nimm dir jede Zuschlagszeile einzeln vor: Nacht, Sonntag, Feiertag und was dein Vertrag sonst vorsieht. Gerechnet wird Stunden × Grundlohn × Prozentsatz. Steht nur eine Summe ohne Stunden oder Satz da, frag in der Lohnbuchhaltung nach, wie sie zustande kommt. § 108 GewO verlangt nur Art und Höhe jedes Zuschlags, nachrechnen kannst du aber nur mit Stunden und Satz.
- Vergleich die Zuschläge mit den Schichten des Monats, für den sie bezahlt werden. Das ist nicht automatisch der Abrechnungsmonat.
- Achte auf die Kennzeichen für Steuer und Sozialversicherung. Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge sind bis zu bestimmten Sätzen steuerfrei, beitragsfrei aber nur der Teil, der auf höchstens 25 € Grundlohn pro Stunde entfällt. Die Kürzel dafür sehen in jedem Lohnprogramm anders aus. Verstehst du sie nicht, frag in der Lohnbuchhaltung, was sie bedeuten.
- Melde eine Abweichung per E-Mail oder schriftlich, mit Datum, Schicht und Betrag. Dann ist später klar, wann du es gemeldet hast.
Ein Beispiel mit Zahlen

Eine Pflegekraft verdient 18 € Grundlohn pro Stunde. Ihr Vertrag sieht 25 % für Nachtarbeit und 50 % für Sonntagsarbeit vor. Im September hat sie 40 Nachtstunden und 16 Sonntagsstunden gearbeitet.
| Zuschlag | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Nacht | 40 h × 18 € × 25 % | 180,00 € |
| Sonntag | 16 h × 18 € × 50 % | 144,00 € |
| Zusammen | 324,00 € |
Auf der September-Abrechnung findet sie davon womöglich gar nichts. Auf der Oktober-Abrechnung steht dann eine Zeile wie „Zuschläge Vormonat“. Sind es dort 279 € statt 324 €, fehlen 45 €. Das sind 10 Nachtstunden zu 4,50 €, also ungefähr eine Nacht. Mit dieser Rechnung geht sie zur Lohnbuchhaltung, nicht mit „irgendwas stimmt nicht“.
Wenn du deine Zahlen schnell durchspielen willst: Der Zuschlagsrechner ist mit diesem Beispiel vorausgefüllt.
Warum Zuschläge erst später kommen
Den festen Lohn rechnen viele Betriebe für den laufenden Monat ab. Die Zuschläge kommen erst, wenn feststeht, wer wann wirklich gearbeitet hat. Bei getauschten Diensten und Einspringen ist das oft erst Wochen später klar. Wer diesen Versatz nicht kennt, hält die Abrechnung für falsch.

Auf Reddit gilt er als ganz normal. Als jemand in r/Pflege wissen wollte, ob die Schicht-App falsch rechnet oder der Arbeitgeber zu wenig zahlt, kam als Antwort: „Zuschläge werden idr. Zwei monate später ausgezahlt und auf den basislohn gezahlt.“ (r/Pflege) Und in r/Gehalt heißt es unter der Abrechnung eines Chemikanten: „Aber die Zulagen werden einen Monat versetzt gezahlt.“ (r/Gehalt)
Das heißt nicht, dass immer alles stimmt. Jemand in r/Pflege rechnet nach eigenen Worten immer wieder mal nach, „weit mehr als einmal mit Fehlern zu meinem Ungunsten“ (r/Pflege). Der Versatz erklärt nur, warum du mit dem Vormonat vergleichen musst. Fehler gibt es trotzdem.
Steuerfrei ist nicht dasselbe wie beitragsfrei
Nach § 3b EStG bleiben Zuschläge für Nacht, Sonntag und Feiertag steuerfrei, solange sie bestimmte Prozentsätze des Grundlohns nicht übersteigen, wobei höchstens 50 € Grundlohn pro Stunde angesetzt werden. In der Sozialversicherung liegt die Grenze niedriger: Beitragsfrei ist nur der Teil der Zuschläge, der auf höchstens 25 € Stundenlohn entfällt (§ 1 SvEV).

Ein Beispiel: 30 € Grundlohn, 10 Nachtstunden mit 25 %. Der Zuschlag beträgt 75 €. Steuerfrei ist er komplett, weil 30 € unter 50 € liegen. Beitragsfrei sind aber nur 62,50 €, nämlich 10 × 25 € × 25 %. Auf die übrigen 12,50 € fallen Sozialbeiträge an. Wer unter 25 € Grundlohn liegt, merkt von diesem Unterschied nichts.
Steuerfrei heißt außerdem nur, dass auf diesen Teil keine Lohnsteuer anfällt. Wie viel am Ende auf dem Konto landet, hängt an Steuerklasse und Abzügen.
Was auf der Abrechnung stehen muss
§ 108 GewO schreibt vor, dass du bei jeder Zahlung eine Abrechnung in Textform bekommst. Drinstehen müssen mindestens der Abrechnungszeitraum und die Zusammensetzung des Lohns, also Art und Höhe der Zuschläge, Zulagen und sonstigen Vergütungen, Art und Höhe der Abzüge, Abschlagszahlungen und Vorschüsse. Eine Ausnahme gibt es: Hat sich gegenüber der letzten ordnungsgemäßen Abrechnung nichts geändert, muss der Arbeitgeber keine neue ausstellen. Im Schichtdienst ändert sich aber fast jeden Monat etwas.
- Abrechnungsmonat. Der Monat, den diese Abrechnung bezahlt. Zuschläge kommen oft erst mit der Abrechnung des Folgemonats.
- Stunden und Stundenlohn. Die bezahlten Stunden mal Stundenlohn. Das ist die erste Zahl, die du mit deiner eigenen Liste vergleichst.
- Zuschläge. Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge. Bis zu den Sätzen des § 3b EStG bleiben sie steuerfrei, beitragsfrei nur bis zu einem Grundlohn von 25 € pro Stunde.
- Gesamtbrutto. Alles vor den Abzügen. Mit dieser Zahl vergleichst du deine eigene Rechnung oder ShiftWallet.
- Steuer- und SV-Brutto. Hier niedriger als das Gesamtbrutto, weil die Zuschläge steuer- und beitragsfrei sind.
- Abzüge. Lohnsteuer und Sozialversicherung. Sie hängen von deiner Steuerklasse und deiner Krankenkasse ab. ShiftWallet schätzt dein Netto kostenlos im Dashboard.
- Auszahlungsbetrag. Was auf dem Konto ankommt. Zum Nachrechnen der Stunden taugt er nicht, weil die Abzüge schon weg sind.
Fristen: drei Jahre, aber oft viel weniger
Die regelmäßige Verjährung beträgt drei Jahre (§ 195 BGB). Sie beginnt erst am Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und du davon wusstest oder hättest wissen müssen (§ 199 BGB). Für Zuschläge aus dem März 2026 läuft sie also in der Regel bis zum 31. Dezember 2029.
Darauf solltest du dich nicht verlassen. Viele Arbeits- und Tarifverträge enthalten Ausschlussfristen, nach denen Ansprüche verfallen, wenn du sie nicht innerhalb einer bestimmten Zeit schriftlich geltend machst. Diese Fristen sind oft deutlich kürzer als drei Jahre. Such in deinem Vertrag nach „Ausschlussfrist“ oder „Verfallfrist“. Steht dort etwas, rechne erst einmal mit dieser Frist und melde dich vorher. Ob die Klausel wirksam ist, kann eine Fachanwältin oder deine Gewerkschaft prüfen.
Und die App?

ShiftWallet rechnet pro Schicht das Brutto mit deinen Zuschlägen aus. Mit der Vorlage nach § 3b bekommst du schon ohne Pro Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge, für eigene Sätze oder eine andere Nachtzeit brauchst du Pro. Unter „Gehaltsabrechnung prüfen“ gibst du das Brutto deiner Abrechnung ein, und die App legt es neben deine Schichten aus demselben Zeitraum. Die erste vollständige Prüfung ist kostenlos.
Dazu zeigt sie dir kostenlos ein geschätztes Netto mit Lohnsteuer und Sozialabgaben, in dem die steuerfreien Zuschläge nach § 3b bis zu ihren Grenzen frei von beidem bleiben. Seit Version 2.4 kennt die Prüfung auch deinen Abrechnungskalender, also den Stichtag und Zuschläge, die erst einen Monat später kommen, und sagt dir, was eine Abweichung erklären könnte, bevor du reklamierst. Den Grundlohn mit dem laufenden Monat und die Zuschläge mit den Schichten aus dem Vormonat zu vergleichen, wie oben beschrieben, schadet trotzdem nicht.
Häufige Fragen
Wie kann ich meine Lohnabrechnung kostenlos überprüfen?
Mit einer eigenen Liste deiner Schichten und einem Taschenrechner. Prüf zuerst die bezahlten Stunden, dann jeden Zuschlag als Stunden mal Grundlohn mal Prozentsatz, und zwar für den Monat, für den er gezahlt wird. Fragen zu einzelnen Zeilen beantwortet die Lohnbuchhaltung.
Warum werden Zuschläge einen Monat später ausgezahlt?
Viele Arbeitgeber rechnen den festen Lohn für den laufenden Monat ab und die Zuschläge erst, wenn die tatsächlich gearbeiteten Stunden feststehen. Deshalb tauchen Nacht- oder Sonntagszuschläge oft auf der Abrechnung des Folgemonats auf, manchmal erst zwei Monate später. Für welchen Monat eine Zeile gilt, steht oft daneben, sonst fragst du in der Lohnbuchhaltung nach.
Was muss auf einer Lohnabrechnung stehen?
Nach § 108 GewO mindestens der Abrechnungszeitraum und die Zusammensetzung des Lohns. Dazu gehören Art und Höhe der Zuschläge, Zulagen und sonstigen Vergütungen, Art und Höhe der Abzüge sowie Abschlagszahlungen und Vorschüsse. Hat sich seit der letzten ordnungsgemäßen Abrechnung nichts geändert, muss keine neue erstellt werden.
Wie lange kann ich falsch bezahlte Zuschläge nachfordern?
Die gesetzliche Verjährung beträgt drei Jahre und beginnt am Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist. Viele Arbeits- und Tarifverträge haben aber Ausschlussfristen, die deutlich kürzer sind. Melde eine Abweichung deshalb sofort schriftlich und schau in deinem Vertrag nach Ausschluss- oder Verfallfristen.
Warum passen meine Zuschläge nicht zu meinen Nachtschichten?
Meist gehören die Zuschläge zu einem früheren Monat. Es kann auch sein, dass dein Vertrag eine andere Nachtzeit zählt als du oder dass unbezahlte Pausen in der Nacht herausfallen. Rechne die Nachtstunden mit den Uhrzeiten aus deinem Vertrag nach und vergleich sie mit der Abrechnung, auf der sie tatsächlich bezahlt werden.
Quellen
- § 108 GewO: Abrechnung des Arbeitsentgelts gesetze-im-internet.de
- § 3b EStG: steuerfreie Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit gesetze-im-internet.de
- § 1 SvEV: beitragsfrei nur bis 25 Euro Stundenlohn gesetze-im-internet.de
- § 195 BGB: regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren gesetze-im-internet.de
- § 199 BGB: Beginn der Verjährung am Jahresende gesetze-im-internet.de
- Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung: 13,90 Euro ab 1. Januar 2026 gesetze-im-internet.de
Quellen geprüft am angegebenen Datum. Maßgeblich ist der aktuelle Stand unter dem Link.
Jeden Monat von Hand nachrechnen kostet Zeit.
Deshalb habe ich ShiftWallet gebaut. Du trägst die Schicht ein, legst deine Sätze einmal fest, und die App zeigt Posten für Posten, was dafür hätte kommen müssen. Am Monatsende vergleichst du das mit der Abrechnung.

Mehr von ShiftWallet
Nächster SchrittRechnerNachtzuschlag berechnen, mit steuerfreiem Anteil nach § 3bKostenloser Rechner für Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge. Er zeigt, was du bekommst und welcher Teil nach § 3b EStG steuer- und beitragsfrei bleibt.Zum Rechner
RatgeberNachtzuschlag: ab wann, wie viel und was steuerfrei istNachtzuschlag ab 20 oder ab 23 Uhr? Was das Arbeitszeitgesetz verlangt, was nach § 3b EStG steuerfrei bleibt und wann 40 % gelten, an einer Schicht durchgerechnet.Ratgeber lesen
RatgeberÜberstunden nachweisen und richtig aufschreibenWer Überstunden nachweisen muss, was das BAG 2022 dazu entschieden hat und was in jede Zeile deiner eigenen Liste gehört, mit einer ausgefüllten Beispielzeile.Ratgeber lesen

